Bio boomt, doch die Branche ist besorgt. Denn deutsche Bio-Bauern profitieren wenig von der hohen Nachfrage, vieles wird aus dem Ausland
importiert. Zudem will die EU ihre Öko-Verordnung ändern, weshalb mehr Bürokratie befürchtet wird.

NÜRNBERG – Auf der weltgrößten Bio-Messe müsste sich ein Grünen-Politiker eigentlich fühlen wie ein Fisch im Wasser. Doch der Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter ist nicht nur zum Genießen nach Nürnberg gekommen, er will auch über Fehlentwicklungen aufklären. Zum Beispiel darüber, dass der Erfolg von BioWaren an den heimischen Bauern weitgehend vorbeigeht: Ein Großteil der Produkte wird importiert.
Deutschland stellt mit 30 Prozent den größten Anteil des europäischen Bio-Marktes, doch nur 8,2 Prozent seiner Betriebe produzieren nach ökologischen Richtlinien. „Wir wollen den Bio Anteil beim anbau fördern und die Mindeststandards in der Tierhaltung verbessern“, betonte Hofreiter im NZ-Gespräch.
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Wichtig sei es hingegen, dass die bereits geltenden und bewährten BioStandards eingehalten werden. Was nicht in allen EU-Ländern gleichermaßen beherzigt wird. Zu diesem Thema hat sich Schmidt gerade mit dem EU-Abgeordneten Martin Häusling
(Grüne) ausgetauscht. „Wir vertreten eine klare Linie: Die Kontrolle von Bio-Produkten ist in vielen Nachbarländern
verbesserungsbedürftig, da müssen Lücken geschlossen werden. Das ist ein Wettbewerbsnachteil für Deutschland, wenn man in anderen EU-Ländern den Bio-Nachweis leichter bekommt, also letztlich weniger Aufwand und geringere Kosten hat. Auch das ist ein Grund, warum so viele
Bio-Produkte nach Deutschland importiert werden.“ Derzeit sieht es allerdings so aus, dass die EU keine Kontrollstrukturen aufbauen will.
„Ich setze mich für EU-weite Kontrollen ein“, betont Schmidt. „Wir brauchen eine Clearingstelle, die überwacht, dass die Vorschriften in allen Mitgliedstaaten gleich streng ausgelegt werden.“ Neben diesen Sorgen hat Schmidt aber auch einen Blick für die Sonnenseiten
der Bio-Branche. „Sehr gut geschmeckt hat mir auf meinem Messe- Rundgang ein niederländischer Ziegenkäse. Dabei schätze ich Ziegenkäse
sonst nicht besonders. Und mein Besuch bei den Amerika-Ständen hat mir gefallen, das war überraschend: In den USA gelten zum Teil strengere
Bio-Standards als bei uns. Das sollte man gar nicht denken, wenn man die Diskussionen zum Thema TTIP hört.“

ERIK STECHER
Nürnberger Zeitung

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