Berlin & Wien, Januar 2019

Es scheint kein Zufall zu sein, dass die neue Studie in „The Lancet“, eine der bedeutendsten Publikationen der Wissenschaft, ausgerechnet am Eröffnungstag der Internationalen Grünen Woche veröffentlicht wurde. Die Studie sollte uns anregen, das Motto der BVE (www.bve-online.de) „Wie schmeckt die Zukunft?“ mit veränderter Sichtweise zu betrachten.

Seit vielen Jahren fordern wir Studien über den Zusammenhang zwischen Ökologie und Gesundheit und dass wir Standards dafür brauchen. Jetzt ist es wissenschaftlich eindeutig, warum der Bio-Standard ECOWELLNESS nötig ist. Erst verbindliche Standards schaffen die Grundlage für einen systematischen Austausch von Erkenntnissen und fixieren überprüfbare Regeln für die qualitäts-gesicherte praktische Umsetzung – von der Lebensmittelproduktion bis zur personalisierten Anwendung.

Studie in „The Lancet“:

Um Millionen Todesfälle und „katastrophale“ Schäden für die Erde zu vermeiden, muss die Menschheit ihre Essgewohnheiten und Nahrungsmittelproduktion einer Studie zufolge radikal ändern. Dafür müssten die Menschen ihren Fleisch- und Zuckerkonsum um etwa die Hälfte reduzieren und zugleich doppelt so viel Gemüse, Obst und Nüsse zu sich nehmen, schlussfolgert ein Konsortium von 37 Experten aus 16 Ländern in der am Donnerstag, 17.01.2019 im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie. (food in the Antropozene, the EAT Lancet Comission)

Zerstörung des Planeten, Ursprung für kostspielige chronische Krankheiten

„Die derzeitigen Ernährungsgewohnheiten gehen über die Kapazitäten der Erde hinaus und sind ein Grund für Krankheiten: Sie sind eine Bedrohung für jeden einzelnen Menschen und die Erde gleichermaßen“, heißt es in der Studie.

Viel Verpackung, nichts dahinter

Verbraucherzentrale: Hüllen enthalten oftmals bis zu 80 Prozent Luft.

„Wir sind in einer katastrophalen Situation“, sagte Co-Autor Tim Lang von der Universität London der Nachrichten-Agentur AFP. „Die Art und Weise, wie wir essen, ist einer der Hauptgründe für den Klimawandel, den Verlust von Biodiversität und für Krankheiten wie Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.“

So wie unser Ernährungssystem sich im 20. Jahrhundert radikal verändert hat, denken wir, dass es sich im 21. Jahrhundert radikal verändern muss.“

Rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm) über 200 g pro Woche schädlich für Gesundheit und Klima

Der Co-Autor und Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Johan Rockström, sagte, um im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen ernähren zu können,

müssten eine gesunde Ernährung eingeführt, das Wegwerfen von Lebensmitteln reduziert und in Technologien zur Reduzierung von Auswirkungen auf die Umwelt investiert werden. Um Gesundheit und Umwelt zu schützen, müssten Menschen in reichen Ländern ihren Konsum von Fleisch- und Milchprodukten drastisch reduzieren, fordern die Wissenschaftler. Rotes Fleisch solle einen Konsum von 150 bis 200 g pro Woche nicht überschreiten – in einem typischen Hamburger etwa finden sich zwischen 125 und 150 Gramm.

Auch Milchprodukte werden zu verantwortungslos konsumiert

Bei Milchprodukten sollte der tägliche Konsum demnach 250 Gramm nicht überschreiten, überdies sollten nicht mehr als zwei Eier pro Woche verzehrt werden.

(Wobei es auch auf den metabolischen Typus ankommt und nicht verallgemeinert werden sollte.)

Zugleich rufen die Forscher zu einer mehr als hundertprozentigen Erhöhung beim Verzehr von Gemüse, Obst und Nüssen auf. Der Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung, das World Business Council for Sustainable Development  (WBCSD) erklärte, Regierungen müssten dabei helfen, den Wandel mit nationalen Ernährungsrichtlinien (Standards) und der Neuausrichtung von Agrarsubventionen voranzutreiben. Die Experten sehen hier auch die Industrie in der Verantwortung und befinden sich deshalb in Kontakt mit über 80 Unternehmen, um „eine Vision“ für ein neues Ernährungs- und Bodennutzungskonzept zu erarbeiten, wie es in einer Mitteilung der WBCSD heißt.

R. S. Tomek, Vorstand des unabhängigen Think-Tanks INtegrated ART: “Ich, wir sind überzeugt, dass sich leider viele Verantwortliche in der Lebensmittel- und Pharma-Industrie wie im Fall Glyphosat gegen die Fakten wehren und diese erneut bagatellisieren werden. Aber wir wenden uns an jene Entscheider, die ihre Verantwortung ernst nehmen, und mit diesen wollen wir mit dem „EcoWellness Standard for Nutrition and Health Prevention“ nach 15 Jahren Forschung und Praxis kooperieren. Wir alle, die die Wahrheit kennen oder daran mitwirken, dass es von einem Geschäft mit der Krankheit zu einem Geschäft mit der Gesundheit kommt, können nur alle „Akteure des Nahrungsmittelsystems“, die IFOAM (www.ifoam.bio), die BIO-Verbände, die FAO, die BVE und die zuständigen Ministerien aller Länder aufrufen, sich an gemeinsamen Initiativen zu beteiligen, um „neue Modelle nachhaltiger, gesunder Ernährung“ – wie wir es schon vormachen – unter Berücksichtigung natürlicher Ressourcen des Planeten zu entwickeln.“

Copyrights: AFP, The Lancet, Reinhardt Stefan Tomek, Regina Richter, D. Fischer Medien & Verlags UG und INtegrated ART AG www.ecowellness.eu rst@ecowellness.eu